Ordnungsfibel
Aufräumen & Ausmisten

Erinnerungsstücke ausmisten ohne schlechtes Gewissen

Fotos, Briefe, Kinderzeichnungen, Erbstücke: Wie du entscheidest, was bleibt, wie du Erinnerungen bewahrst und warum dieser Bereich ganz zum Schluss kommt.

Lesezeit ca. 3 MinutenGeprüft: Oktober 2026Für AT, DE und CH
Aufgeräumter Raum mit Holz-Sideboard, Pflanzen und freiem Boden
Symbolbild
Inhalt dieses Ratgebers
  1. Warum dieser Bereich zum Schluss kommt
  2. Der Grundgedanke: Die Erinnerung ist nicht der Gegenstand
  3. So gehst du vor
  4. Konkrete Tipps nach Kategorie
  5. Nach einem Todesfall
  6. Häufige Fragen

Erinnerungsstücke sind der schwierigste Teil jedes Ausmist-Projekts. Bei einem alten Kochlöffel entscheidest du in Sekunden. Bei der Kinderzeichnung, dem Brief der Großmutter oder dem Konzertticket vom ersten Date hältst du inne. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass du es „nicht kannst“. Es braucht nur einen anderen Ansatz als bei Alltagsdingen.

Warum dieser Bereich zum Schluss kommt

Wer mit der Fotokiste anfängt, sitzt nach drei Stunden in Erinnerungen versunken auf dem Boden und hat nichts entschieden. Fang deshalb mit Bereichen ohne emotionale Bindung an, wie im Ratgeber Ausmisten anfangen beschrieben. Bis du bei den Erinnerungsstücken ankommst, hast du gelernt, schneller und klarer zu entscheiden.

Der Grundgedanke: Die Erinnerung ist nicht der Gegenstand

Ein Erinnerungsstück ist ein Auslöser. Es ruft ein Gefühl, eine Person oder einen Moment wach. Dieser Effekt ist bei wenigen, ausgewählten Stücken stark. Bei vielen wird er schwächer: Zwanzig Kinderzeichnungen in einer Kiste im Keller sieht niemand an. Drei schöne, gerahmt im Flur, siehst du jeden Tag. Weniger zu behalten kann eine Erinnerung also aufwerten, nicht entwerten.

So gehst du vor

  1. Alles an einem Ort sammeln. Erinnerungsstücke liegen oft verstreut: im Keller, im Nachttisch, in Schuhschachteln. Erst wenn du alles siehst, kannst du auswählen.
  2. Grobe Kategorien bilden. Fotos, Briefe und Karten, Kinderzeichnungen und Schulsachen, Erbstücke, Reiseandenken, Kleidung mit Geschichte.
  3. Einen festen Platz bestimmen. Lege vorher fest, wie viel Platz Erinnerungen bekommen dürfen, zum Beispiel eine schöne Kiste pro Person. Der Behälter ist die Grenze, nicht deine Willenskraft.
  4. Die besten Stücke auswählen. Statt zu fragen „Was kann weg?“ fragst du „Was sind die schönsten?“. Du wählst aus, statt zu verwerfen.
  5. Den Rest würdevoll verabschieden. Fotografieren, weitergeben oder bewusst entsorgen.

Konkrete Tipps nach Kategorie

Fotos: Sortiere Doppelte, unscharfe Bilder und Fotos von Landschaften ohne Bezug sofort aus. Gute Bilder kannst du digitalisieren. Wie du digitale Dateien sicher aufbewahrst, beschreibt der Ratgeber Dokumente digitalisieren.

Kinderzeichnungen: Fotografiere sie regelmäßig, zum Beispiel einmal im Monat. Am Ende des Jahres wählst du gemeinsam mit dem Kind die drei bis fünf liebsten Originale aus. Aus den Fotos lässt sich ein Fotobuch machen.

Briefe und Karten: Behalte persönliche Briefe mit echtem Inhalt. Standard-Glückwunschkarten mit Unterschrift darfst du nach dem Anlass entsorgen. Die Geste hat ihren Zweck erfüllt.

Erbstücke: Frage dich, ob du das Stück nutzt oder zeigst. Ein Service, das im Schrank steht und das du nie verwendest, kann in der Familie jemanden glücklich machen, der es nutzt. Oft ist ein kleines Stück, das du täglich siehst, die bessere Erinnerung als ein großes im Keller.

Kleidung mit Geschichte: Babykleidung, das Trikot vom ersten Marathon, das Kleid der Mutter. Ein oder zwei Teile pro Person reichen. Aus Stoffen lassen sich auch Kissenbezüge oder eine Erinnerungsdecke nähen.

Tipp: Lege beim Sortieren eine Pause ein, wenn du merkst, dass dich ein Gegenstand traurig macht. Es ist in Ordnung, diesen Bereich auf mehrere Tage zu verteilen.

Nach einem Todesfall

Nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen gibt es keinen Zeitplan, an den du dich halten musst. Wenn kein Druck besteht, etwa durch eine Wohnungsauflösung, darfst du dir Zeit lassen. Wenn eine Wohnung geräumt werden muss, hilft es, zuerst nur die Dinge herauszunehmen, die dir wirklich etwas bedeuten, und den Rest mit Familie oder einer Räumungsfirma zu regeln. Sprich mit anderen Angehörigen, bevor du Erbstücke weitergibst, damit niemand übergangen wird.

Häufige Fragen

Ist es respektlos, Geschenke wegzugeben?

Nein. Ein Geschenk hat seinen Zweck erfüllt, wenn es dir überreicht wurde und die Geste angekommen ist. Die meisten Menschen möchten nicht, dass du ihr Geschenk aus Pflichtgefühl behältst.

Was mache ich, wenn ich etwas bereue?

Das passiert seltener, als man befürchtet. Wer Stück für Stück auswählt statt in Eile zu entsorgen, bereut fast nie. Ein Foto vor dem Weggeben hilft, falls die Erinnerung doch einmal fehlt.

Wie viele Erinnerungsstücke sind normal?

Dafür gibt es keine Regel. Entscheidend ist, dass sie einen festen Platz haben, geordnet sind und dir Freude machen, wenn du sie ansiehst.

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung. Beachte bei Reinigungs- und Pflegemitteln immer die Hinweise auf der Verpackung. Regeln zu Fristen, Entsorgung und Behörden unterscheiden sich zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz und teilweise auch zwischen Gemeinden.